Auf dieser Seite finden Sie Predigten von Dillinger Seelsorgern für den jeweiligen Sonntag. Geplant ist, dass die jeweilige Predigt ab spätestens Samstagvormittag online ist. Sie kann gelesen und herunter geladen werden bis eine neue Predigt veröffentlicht wird.

Im Anschluss an die aktuelle Predigt stehen Impulse und Predigten des Papstes zur Verfügung, z.B. die Ansprache während der Andacht auf dem Petersplatz vor dem Segen "Urbi et Orbi".


Gründonnerstag (9. April)

exodus 12, 1-8.11-14 und 1. Korintherbrief 11, 23 - 26 und         Johannesevangelium 13, 1 - 15

 

„Der Gründonnerstag in Muyupampa hatte es immer in sich… „Was sollte es diesmal sein?“, so fragte ich mich, als ich nach der Abendmesse, nach den vielen Beichten ins Krankenhaus gerufen wurde. Der Arzt erklärte mir schnell den Fall. „Da ist ein Mädchen. Erst vierzehn Jahre alt. Sie stammt nicht von hier. Man wollte sie nach Camiri ins Hospital der Erdölgesellschaft bringen, weil sie ihr Kind nicht gebären konnte. Nun sind sie bis hierhin gekommen. Das Kind ist gut auf die Welt gekommen. Aber sie hat schrecklich viel Blut verloren, und das schlimmste ist, die Blutungen haben nicht aufgehört. Bitte spenden Sie die Sterbesakramente!“ Es war ein schrecklicher Anblick. Das schmale blasse Gesicht eines Mädchens … in dem unordentlichen Bett, die blutgetränkten Lappen … Ich beeilte mich, um sie nicht noch mehr anzustrengen … Nachher fragte ich den Arzt, ob denn überhaupt keine Hoffnung mehr wäre.

 

„Mein Gott, Padre, bei diesem Blutverlust! Wo sollen wir hier Blutkonserven herholen? Bis Sucre sind es vierhundert Kilometer. Wir können ja nicht mal die Blutgruppe feststellen.“ Da fiel mir ein, dass ich Blutgruppe Null hatte, Rhesusfaktor negativ. „Wenn Sie mich gebrauchen könnten!“ Er schaute mich etwas ungläubig an. Wie er das wohl machen sollte. Kubikzentimeter um Kubikzen­timeter abzapfen und gleich wieder einspritzen? „Warten Sie, wir wollen es versuchen.“

 

Wir bauten an der Seite des Mädchens ein provisorisches Bett aus Kisten und Kasten, um das not­wendige Gefälle zu haben, Der Arzt machte einen kleinen Schlauch steril und stellte eine Direkt­verbindung her... Ein Benzinkocher musste zwischen uns, … „damit das Blut schön warm bleibt.“ Ja, und dann lagen wir da. Der Kerzenschein war kümmerlich, und die Schatten spielten an der Decke. Der Gründonnerstag wurde auf einmal sehr sinnvoll. Ich musste an die Fußwaschung den­ken, an diese Bauernfüße, die nicht ganz sauber geworden waren … „Geht es noch?“, fragte der Arzt. „Ich glaube schon!“ Es wusste ja keiner genau, wie viel Blut da wohl lief. Er verglich seine Uhr, rückte den Benzinkocher zurecht, und dann war es wohl genug. Ich durfte das kleine Kindchen noch bestaunen, und dann war ich entlassen. An Ostern haben wir das Kind getauft. Der Arzt war Pate, bei der feierlichen Taufe war einer von uns so stolz wie der andere. Die Mutter war davon gekommen.

 

(aus: Leo Schwarz, Pachamama ist anders, Trier 1971, 132-133.)

 

 

 

Als ich mir nach einer Bolivienreise das Buch „Pachamama ist anders“ unseres mittlerweile ver­storbenen Weihbischofs Leo Schwarz aus dem Jahr 1971 kaufte und den eben gehörten Text zum ersten Mal las, war ich beeindruckt und ent­setzt zugleich. Wie viel Elend gibt es auch heute noch in Bolivien und in vielen anderen Ländern auf dieser Welt? Wie viele Kinder und Jugendli­che verlas­sen immer noch ihr Heimatdorf, weil sie in den Städten auf eine bessere Zukunft hoffen, die nicht erfüllt wird? Wie primitiv sind immer noch die medizinischen Zustände in einem der ärmsten Län­der Südamerikas? Der Bericht von Weihbischof Leo vom Ende der 60er Jahre nahm auf einmal ganz konkrete Züge für mich an.

 

 

 

„Spende Blut - rette Leben!“ heißt ein Aufruf des Roten Kreuzes. Beim Blut geht es um eine ernste Sache, es geht um Leben oder um Tod. Ein Mensch, der zuviel Blut verliert, stirbt. Beim Letzten Abendmahl greift Jesus den alttestamentlichen Bundesgedanken auf, der immer mit dem Blut eines Opfertieres besie­gelt wurde, und betont, dass er es blutig ernst mit dem Bund meint, den Gott mit den Menschen eingegangen ist und der in ihm vollendet wird. Jesus lässt sich durch nichts von sei­nem eingeschla­genen Weg der Liebe abbringen. Beim Letzten Abendmahl bringt er sich selber dar, er schenkt sich uns in seinem Leib, in seinem Blut. An Gründonnerstag dürfen wir uns in ganz be­son­derer Art und Weise daran erinnern, was wir in jeder Hl. Messe feiern: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Ge­dächtnis! … Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu mei­nem Gedächtnis!“

 

 

 

Und ein zweites: Jesus will diese Gemeinschaft mit uns. Er schenkt sich aus Liebe nicht nur in den Gestalten von Brot und Wein, sondern lädt uns ein, seine Gemeinschaft anzunehmen. Die Annahme dieser geschenkten Liebe fällt manchmal schwer, wie es das Beispiel des Petrus zeigt: „Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? … Niemals sollst du mir die Füße wa­schen!“ Petrus versteht beim letzten Abendmahl noch nicht, warum Jesus den Sklavendienst des Fußwaschens über­nimmt. Als am Karfreitagmorgen der Hahn kräht, erkennt er langsam, was Jesus meint und weint bitterlich über sein Unverständnis.

 

 

 

Der Gründonnerstag ist nach wie vor überaus sinnvoll, wenn wir ihn auch in diesem Jahr nicht so wie gewohnt feiern dürfen, weil jegliche Berührung tabu und Abstand zueinander das Gebot der Stunde sind: für Weihbischof Leo damals in Bolivien bei seiner Blutspende und für jeden Men­schen, der sich in Gedanken und im Gebet mit mir verbindet, wenn ich diese Hl. Messe vom Letzten Abendmahl für alle feiere. Wie an kaum einem anderen Tag im Jahr lässt sich etwas von der Liebe Gottes erahnen und spüren: eine Liebe, die vor dem eigenen Leib und Blut nicht halt macht, die in den Tod geht, um ihn dadurch für alle Zeiten zu überwinden. Wir sind eingeladen, diese Liebe Jesu in die Tat umzusetzen. Dazu lädt er uns ein, wie er die Jünger eingeladen hat: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße ge­waschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ Lassen wir uns von Jesus lieben und geben wir diese Liebe – in welcher momen­tanen abstandhaltenden Form auch immer - an andere Menschen weiter.

 

 

 

Ich wünsche Ihnen eine gute private Mitfeier des Österlichen Triduums!

 

Dechant Patrik Schmidt

 

 


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Palmsonntag

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Predigten und TExte von Papst Franziskus

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